Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 3)

Und hier kommt nun der lang ersehnte 3. Teil meiner Ausführungen zur Phillipskurve. Die anderen Teile findet man hier:

Die Phillipskurve (Teil 1)
Die Phillipskurve (Teil 2)

Wo waren wir also stehen gebliebnen. Anscheinend das Friedman und Phelps 1968 die Aussage machten, dass die langfristige Phillipskurve vertikal ist und somit die Inflation keinen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit hat. Dies war jedoch für die damalige Zeit nicht sehr überzeugend. Die Aussagen von Friedman und Phelps basierte auf der Theorie. Im Gegensatz dazu basierte die negative Korrelation zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit auf Daten. Warum sollten die Wirtschaftspolitiker also mit einer senkrechten Phillipskurve rechnen, wenn die Daten etwas ganz anderes aussagen?

Friedman und Phelps waren sich dieses Widerspruchs bewusst und so machten sie sich daran einen Weg zu finden die klassische makroökonomische Theorie mit den empirischen Befunden in Einklang zu bringen. Mal sehen, wie ich das erklären kann ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Friedmann und Phelps behaupteten, dass der negative Zusammenhang kurzfristig haltbar ist, aber auf keinen Fall langfristig gültig ist. Anders ausgedrückt können Wirtschaftspolitiker für eine gewisse Zeit durch eine expansive Geldpolitik zu einer niedrigeren Arbeitslosigkeit kommen, doch schließlich wird die Arbeitslosigkeit wieder zur natürlichen Arbeitslosenquote zurückkehren. Von der expansiven Geldpolitik bleibt dann nur höhere Inflation übrig.

Um den Unterschied zwischen kurzfristigen und langfristigen Zusammenhängen der Arbeitslosenquote und der Inflationsrate besser zu vermitteln, haben Friedman und Phelps eine neue Variable in die Analyse eingeführt. Diese Variable war die Inflationserwatung oder die erwartete Inflation. Diese Variable drückt aus, wie viel Preissteigerung die Bevölkerung erwartet. Auf kurze Sicht kann jede Zentralbank die erwartete Inflationsrate als gegeben an. Auf kurze Sicht führen deshalb Änderungen der Geldmenge zu unerwarteten Fluktuationen der Produktion, der Preise, der Arbeitslosigkeit und der Inflation. Die Möglichkeit, mit einer Erhöhung der Geldmenge eine unerwartete Inflation auszulösen, besteht aber nur kurzfristig. Auf lange Sicht werden sich die Leute jene Inflationsrate zu Eigen machen.

Die Überlegungen von Friedman und Phelps lassen sich in folgender Gleichung zusammenfassen.

Arbeitslosenquote = natürliche Arbeitslosenquote – a (tatsächliche Inflationsrate – erwartete Inflationsrate)

Für die kurzfristige Analyse ist die erwartete Inflationsrate empirisch vorgegeben und deshalb führt eine höhere Inflation zu einer niedrigeren Arbeitslosenquote. Der Parameter a gibt an, wie stark die Arbeitslosenquote auf eine unerwartete Änderung der Inflationsrate reagiert. Schauen wir uns das ganze doch noch einmal in einer Grafik an:

Die kurzfristige Phillipskurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Zu Beginn unserer Betrachtung befindet sich die Volkswirtschaft in Punkt A auf der natürlichen Arbeitslosenquote mit einer niedrigen Inflationsrate. Durch expansive Geldpolitik wird nun die Inflationsrate erhöht und die Volkswirtschaft wandert auf der kurzfristigen Phillipskurve zu Punkt B mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einer erhöhten Inflationsrate. Die Situation wird jedoch nicht so bleiben, denn mit der Zeit gewöhnt sich die Bevölkerung an die höhere Inflationsrate und passt ihre erwartete Inflationsrate langsam an. Dies führt dazu, dass die Volkswirtschaft von Punkt B zu Punkt C und damit zurück auf die langfristige Phillipskurve wandert. Die Arbeitslosigkeit ist wieder auf dem Niveau der natürlichen Arbeitslosenquote, jedoch ist die Inflation ist bei weitem höher.

Dies war dann wohl das Aus für die „Speisekarte“ der Wirtschaftspolitiker und irgendwie drängt sich einem da der Spruch „Außer Spesen nichts gewesen“ auf. Nun stellt sich die Frage, was es denn kostet die Inflation wieder zu senken. Dies werde ich im nächsten und letzten Teil über die Phillipskurve erörtern.

3 comments


  1. Inflation ist überhaupt besser als Arbeitslosigkeit, ohne Zweifel!

    on August 25th, 2009 at 07:54
  2. Komische Aussage? Soll das Ironie sein, oder doch nicht? Wieso soll ein Übel besser als das andere sein? Oder hast du diesen Kommentar nur geschrieben, um einen Link zu setzen? So viele Fragen!!!

    on August 25th, 2009 at 23:35
  3. Die Frage ist nun trotzdem, warum es ein natürliches Arbeitslosigkeitsniveau gibt und was die veränderten Inflationserwartungen auslösen, damit man langfristig in Punkt C ist?

    on Oktober 8th, 2009 at 13:55

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