Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 2)

Wie versprochen folgt nun der zweite Teil zur Phillips Kurve. Sorry noch mal, dass es so lange gedauert hat. Für alle, die den ersten Teil noch nicht gelesen haben, finden diesen hier:

Die Phillips Kurve: (Teil 1)

Wo waren wir also stehen geblieben?

Anfang der 60er Jahre war man der Meinung, dass die Phillipskurve eine Art Speisekarte darstellt, durch die Wirtschaftspolitiker mit geldpolitischen Maßnahmen Einfluss auf die Arbeitslosenquote nehmen können. Dem Widersprach 1968 ein anderer bekannter Volkswirt Milton Friedman in seinem Aufsatz im American Economic Review mit dem Titel „The Role of Monetary Policy“. Sein Aufsatz enthielt die beiden Abschnitte: „What Monetary Policy can do“ und „What Monetary Policy cannot do“. Eine Sache, die nach Friedman Überzeugung, die Geldpolitik nicht leisten kann, ist die Auswahl einer Bestimmten Kombination von Inflation und Arbeitslosigkeit auf der Phillipskurve. Zu der gleichen Einsicht kam im Selben Jahr auch ein anderer Nationalökonom, Edmund Phelps.

Milton Friedman

Schauen wir uns doch einmal an, wie Friedman und Phelps argumentierten. Sie betrachteten die ganze Sache aus der Sicht der klassischen Makroökonomik. Aus der Sicht der klassischen Nationalökonomik wird das Geldmengenwachstum als primäre Inflationsquelle betrachtet. Aus der Sicht der klassischen Makroökonomik hat das Geldmengenwachstum keine realwirtschaftlichen Effekte, denn es verändert nur die Preise und die Nominaleinkommen proportional. Auf keinen Fall verändert das Geldmengenwachstum die Faktoren, von denen die Arbeitslosigkeit abhängt, wie zum Beispiel die Macht der Gewerkschaften, Effizienzlöhne oder Suchprozesse. Weder Friedman noch Phelps konnten einen langfristigen Zusammenhang für einen langfristige Verknüpfung der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote erkennen. Für alle, die gerne das Original lesen habe ich hier Friedmans Originalausführungen:

Edmund Phelps

“The monetary authority controls nominal quantities – directly, the quantity of its own liabilities [currency plus bank reserves]. In principle, it can use this control to peg a nominal quantity – an exchange rate, the price level, the nominal level of national income, the quantity of money by one definition or another – or to peg the change in a nominal quantity – the rate of inflation or deflation, the rate of growth or decline in nominal national income, the rate of growth of the quantity of money. It cannot use its control over nominal quantities to peg a real quantity – the real rate of interest, the rate of unemployment, the level of real national income, the real quantity of money, the rate of growth of real national income, or the rate of growth of the real quantity of money.”

Die langfristige Phillipskurve

Die langfristige Phillipskurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Was sagt nun diese Sichtweise für unsere Wirtschaftspolitiker aus, die in den 60er Jahren die Geldpressen auf Volllast laufen ließen? Anstatt einer schönen Speisekarte, aus der sie je nach Gusto wählen konnten, sahen sie sich nun einer langfristig senkrechten Phillipskurve gegenüber, die im oben stehenden Schaubild illustriert ist. Falls die die Geldmenge langsam ausgedehnt wird, ist die Inflationsrate niedrig und die Volkswirtschaft befindet sich im Punkt A. Bei einer raschen Ausdehnung der Geldmenge ist die Inflationsrate höher und die Inflationsrate gelangt zu Punkt B. In beiden Fällen tendiert die Arbeitslosenquote zu ihrem Nominal hin, zu der so genannten natürliche Arbeitslosenquote. Was diese „natürliche Arbeitslosenquote“ ist, werde ich im nächsten Teil der Serie erklären.

So, nun wurde diese schöne „Speisekarte“ zerstört. Ende der 60er Jahre hatte man die Inflation hoch getrieben, aber keinen Einfluss auf die Arbeitslosenquote genommen. Es stellt sich aber die Frage, warum die Daten, die Phillips gesammelt hatte so einen Zusammenhang nahe legten. Wieso funktionierte dieser Zusammenhang so viele Jahre und jetzt auf einmal nicht mehr? Wie immer im Leben ist es so, dass es funktioniert, so lange man nicht daran herumfummelt. Dazu werde ich jedoch mehr im nächsten Post schreiben. Ich verspreche, dass dieser schneller folgt.

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