Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 1)

In der heutigen Zeit, in der die Regierungen der Welt die Märkte mit Kapital fluten, lohnt es sich mal einen kleinen Blick auf die Phillips Kurve zu werfen. Jeder hat sicherlich schon mal von ihr gehört, doch wissen die wenigsten, was diese überhaupt aussagt. Viele kennen sicherlich auch den berühmten Satz unsers Altbundeskanzlers Helmut Schmidt: „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ Warum er mit dieser Aussage falsch lag und wie er überhaupt auf diese Idee kam, wollen wir uns im folgendem mal genauer anschauen.

Was ist nun die berühmte Phillips Kurve. 1958 veröffentlichte der neuseeländische – britische Nationalökonom Alban Wiliam Housego Philips in der britischen Fachzeitschrift Economia einen Aufsatz, der ihn berühmt machen sollte. Sein Artikel trug die Überschrift: „The Relationship between Unemployment and the Rate of Change of Money Wages in the United Kingdom, 1861 – 1957“. In diesem Artikel wies Phillips auf eine negative Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflationsquote hin. In den von ihm untersuchten Zeitraum tendierten Jahre mit einer niedrigen Arbeitslosenquote zu einer hohen Inflationsrate und vis versa. Hieraus schloss Philips, das diese Beiden Variablen auf eine Art und Weise verknüpft sind, die von den Ökonomen zuvor nicht genügend beachtet wurde.

Phillips Kurve

Phillips Beobachtungen beruhten zwar nur auf statistischen Daten aus Großbritannien, doch andere Wissenschaftler dehnten die Untersuchung schnell auf andere Länder aus. Zwei Jahre nach Phillips Aufsatz veröffentlichten die beiden amerikanischen Nationalökonomen Paul Samuelson und Robert Solow im American Economic Review mit dem Titel „Analytics of Anti-Inflation Policy“, in dem sie eine ähnliche Korrelation zwischen Arbeitslosen- und Inflationsquote in den Vereinigten Staaten von Amerika nachweisen konnten. Es waren Samuelson und Solow, die dieser negativen Verknüpfung den Namen Phillips Kurve gaben.

Phillips Kurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Der Grund, warum Samuelson und Solow an der Phillips Kurve interessiert waren, war, dass sie glaubten die Phillips Kurve enthalte bedeutsame Aussagen für die praktische Wirtschaftspolitik. Sie waren der Meinung, dass die Phillips Kurve den Wirtschaftspolitikern eine Art „Speisekarte“ bietet mit dieser sie je nach Wunsch die entsprechende Konstellation wählen können. Wie man an der Grafik erkennen kann könnte man durch geld- und fiskalpolitische Maßnahme vom Punkt A mit niedriger Inflation und hoher Arbeitslosigkeit zu Punkt B mit niedriger Arbeitslosigkeit und hoher Inflation kommen. Die Wirtschaftspolitiker würden zwar eine Situation bevorzugen, bei der beide Variablen niedrig sind, doch diese Kombination ist hier unerreichbar.

Warum diese Idee mit der „Speisekarte“ doch nicht funktionierte werde ich in den nächsten Tagen bearbeiten.

Hier gehts zum 2. Teil

One comment


  1. Könntest du mir vielleicht die Quellen für diesen Eintrag nennen? Tolle Seite im Übrigen!

    on Dezember 30th, 2009 at 17:42

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