David Ricardo und der Komparative Vorteil

Heute wollen wir uns doch einmal an unser erstes Modell heranwagen. Wir Volkswirte lieben Modelle und so versuchen wir alles in Gleichungen zu stecken und uns so die Welt zu erklären. Wer mit der Mathematik auf dem Kriegsfuß steht, dem sei gesagt, dass ich leider nach einem Jahr mehr über Mathematik vergessen habe, als ich je gelernt habe. Da dies ein sehr einfaches Modell ist und ich nicht so stark in die Tiefe gehen werde, hoffe ich, dass es jeder versteht.

Kommen wir nun zum Modell von David Ricardo. Haben sie sich nicht auch mal gefragt, warum es überhaupt Handel gibt? Warum führt zum Beispiel Deutschland Handel mit Bangladesh? Deutschland ist technisch um Längen weiterentwickelt als Bangladesh. Die Fabriken in Deutschland arbeiten produktiver und durch moderne Landwirtschaft hat Deutschland auch hier die Nase vorn. Wieso sollte Deutschland also Handel mit Bangladesh führen?

David Ricardo

Die meisten würden sagen: Wegen den Lohnkosten. Hiermit liegt man leider nicht richtig. In diesem Beispiel habe ich mit Bedacht Bangladesh als Handelspartner gewählt. Bangladesh besitzt tatsächlich einen absoluten Kostenvorteil bei den Lohnkosten, doch ist es technisch nicht sehr weit entwickelt (Ich hoffe ich trete hier Niemanden aus Bangladesh auf den Schlips). So müsste Deutschland alles billiger produzieren können als Bangladesh. Und so stellt sich wieder die Frage, warum eine Industrienation mit einem 3. Welt Land Handel führt.

Eine Antwort hierfür bietet uns David Ricardo (1772 – 1823), einer der Hauptvertreter der klassischen Nationalökonomie. In seinem Hauptwerk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ (1817) zeigt er uns, dass es nicht nur zu Handel kommt, wenn ein Land einen absoluten Kostenvorteil hat, sondern auch dann, wenn ein Land einen komparativen Vorteil besitzt. Was dieser komparative Vorteil ist, schauen wir uns nun anhand des „Ricardo Modells“ an.

Für das Modell müssen wir ein paar Einschränkungen machen. Unsere erste Annahme ist, dass in unserem kleinen Modell nur 2 Güter gehandelt werden. Wem das zu abstrakt ist, der kann sich das so vorstellen, dass das erste Gut z.B. Autos sind und in dem zweiten Gut alle anderen Güter der Volkswirtschaft zusammengefasst sind. So hat es mir mein erster Mikroökonomie Professor versucht nahe zu bringen. Die zweite Einschränkung ist, dass es in diesem Modell nur 2 Länder gibt (z.B. das Inland und unter Ausland alle anderen Länder der Welt zusammengefasst). Die beiden Güter werden allein durch menschliche Arbeit hergestellt und man benötigt keine anderen Produktionsfaktoren. Außerdem benötigen wir für das Modell Freihandel, der nicht durch Zölle oder andere Handelshemmnisse gestört wird. Es gibt noch weitere Einschränkungen, da wir aber nicht so stark in die Tiefe gehen, können wir diese hier mal weglassen.

Ricardo hat in seinem Originalmodell die beiden Länder England und Portugal benutzt. Die beiden gehandelten Güter waren Tuch und Wein (Ja, es gibt Wein in England). Nehmen wir nun mal an, dass England innerhalb eines Jahres eine gewisse Menge Tuch herstellt und hiefür 100 Arbeiter einsetzen muss. Portugal braucht für dieselbe Menge jedoch nur 90 Arbeiter. Für die Produktion einer gewissen Menge Wein innerhalb eines Jahres braucht England 120 Arbeiter. Portugal hingegen braucht hierfür nur 80 Arbeiter.

Man sieht also, dass Portugal bei beiden Gütern einen absoluten Vorteil besitzt. Es kann beide Güter günstiger herstellen als England. Dennoch lohnt es sich für Portugal englisches Tuch gegen Wein zu importieren, denn der Vorteil bei der Weinproduktion ist für Portugal im Vergleich zu England größer als bei der Tuchproduktion. So kann Portugal die gleiche Menge Wein wie England mit 40 Arbeitern weniger produzieren, während es die gleiche Menge Tuch wie England nur mit 10 Arbeitern weniger produzieren kann. Oder anders ausgedrückt: Portugal muss für die Erhöhung der produzierten Menge Wein auf weniger Arbeiter aus der Tuchproduktion zurückgreifen als England das im gleichen Fall müsste.

Die Portugiesen sind also im Vergleich zu den Engländern bei der Weinerzeugung noch deutlich produktiver als bei der Tuchherstellung – deshalb besitzt Portugal einen komparativen Kostenvorteil bei der Produktion von Wein. Für das Land lohnt es sich daher, sich auf die Weinerzeugung zu konzentrieren und das Tuch nicht mehr selbst zu weben, sondern im Handel mit England gegen Wein einzutauschen. Spiegelbildlich haben die Engländer einen komparativen Kostenvorteil bei Tuchen. Ihr Arbeitseinsatz, das für den Tausch benötigte Tuch herzustellen, ist geringer als beim Anbau eigenen Weins. Die eingesparten Arbeitskräfte kann England dann profitabler in anderen Industriezweigen einsetzen.

David Ricardos zog hieraus das Fazit, dass wenn sich jedes Land auf das Produkt konzentriert, das es, relativ gesehen, billiger produzieren kann, wächst in beiden Ländern der Wohlstand.

So, ich hoffe ich konnte euch dieses erste einfache Modell nahe bringen.

One comment


  1. Hallo,

    hättest du vielleicht dieses Modell von Ricardo mit 3 Länder. Das kann ich nicht nachvollziehen!

    Danke

    on Januar 5th, 2010 at 19:14

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