Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 4)
In meinem letzten Posts (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) habe ich erklärt, wieso unser Altbundeskanzler Schmidt bei seiner Aussage „Lieber 5 Prozent Inflation, als 5 Prozent Arbeitslosigkeit“ falsch lag. Ich habe gezeigt, dass die Phillipskurve kein Menü ist, aus dem die Wirtschaftspolitiker sich eine für sie passende Kombination aus Arbeitslosigkeit und Inflation auswählen können. Die langfristige Phillipskurve ist vertikal und langfristig wird die Arbeitslosigkeit immer bei der natürlichen Arbeitslosenquote liegen.
Was nun noch zu meinen Ausführungen fehlt ist, was denn passiert, wenn der Karren nun in den Mist gefahren wurde. Wie kann sich eine Volkswirtschaft aus einer Situation mit hoher Inflation wieder davon befreien?
Also sehen wir doch mal nach, wo wir stehen. Die Volkswirtschaft hat die Geldpressen angeworfen und dadurch kurzfristig die Arbeitslosenquote gesenkt. Langfristig liegt die Arbeitslosenquote aber wieder bei der NAIRU mit einer erhöhten Inflation. Wie senkt man also die Inflationsrate und vor allen Dingen was kostet es. Bevor wir dies jedoch klären, schauen wir doch mal nach, wo es in der Geschichte eine ähnliche Situation gab.
Das Beispiel finden wir in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1979. Ein Land, das zur damaligen Zeit zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts unter einem Ölpreisschock zu leiden hatte. Die Inflation war sehr hoch und die US amerikanische Zentralbank entschied diese unannehmbaren zu senken.
Zur Senkung der Inflationsrate ist eine kontraktive Geldpolitik notwendig. Das nachfolgende Diagramm verdeutlicht was hierbei passiert. Wenn die Zentralbank das Geldmengenwachstum dämpft wird dadurch die aggregierte Nachfrage gebremst. Dies führt zu einem sinken des Produktionsniveaus und letztendlich zu einem Sinken der Beschäftigung.

Die Volkswirtschaft befindet sich also zuerst im Punkt A und bewegt sich durch die kontraktive Geldpolitik entlang der kurzfristigen Phillipskurve zu Punkt B. Die Volkswirtschaft erkauft sich also eine niedrigere Inflationsrate durch eine höhere Arbeitslosenquote. Im Laufe der Zeit gewinnt die Bevölkerung jedoch die Überzeugung, dass die Preise langsamer steigen werden und ihre Erwartungen passen sich an. Die erwartete Inflationsrate geht also zurück und dadurch verlagert sich die kurzfristige Phillipskurve wieder zum Ursprung hin. Die Volkswirtschaft bewegt sich also von Punkt B zum Punkt C und liegt nun wieder mit einer niedrigeren Inflation bei der NAIRU.
Eine gewisse Zeit muss die Volkswirtschaft also mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit und einer gedämpften Produktion durchstehen, um die Inflation nachhaltig zu senken. Die Kosten der Inflationssenkung sind hierbei abhängig von der Steigung der Phillipskurve und dem Anpassungszeitraum der Inflationserwartungen.
Kommen wir nun zum so genannten Opferquotienten. Der Opferquotient wird errechnet, indem man die periodengleichen erlittene Einbuße an Produktionsniveau durch die erzielte Senkung der Inflationsrate dividiert. Der Quotient gibt damit die Anzahl der Prozentpunkte an Produktionsrückgang je Prozentpunkt erreichter Absenkung des Inflationsniveaus an. Zahlreiche Studien geben als mittleren Wert für den Opferquotient den Wert 5 an. Das heißt, dass für eine Senkung der Inflationsrate um einen Prozentpunkt – in der Zeit des Übergangs – 5 Prozent des Produktionsniveaus „geopfert“ werden muss.
Hieran kann man sehen, wie „teuer“ es sein kann die Inflationsrate nach einer expansiven Geldpolitik wieder zu senken. Kommen wir wieder zu unserem USA Beispiel zurück. Die USA hatte damals eine Inflationsrate von 10% und man beabsichtigte eine Senkung von 6% auf 4%. Also musste man hierfür einen 30 prozentigen Rückgang der Produktion in Kauf nehmen.
Der drastische Produktionsrückgang lässt sich jedoch vermeiden, indem man den Produktionsrückgang über mehrere Jahre verteilt. Wenn also die Inflationssenkung innerhalb von 5 Jahren erfolgt dann wurde die gesamtwirtschaftliche Produktion durchschnittlich nur um 6% pro Jahr zurückgehen. Bei einer noch moderateren Desinflationspolitik über einen Zeitraum von 10 Jahren würde der gesamtwirtschaftliche Output nur 3% unter dem Trend liegen.
So, dies schließt nun meine Ausführungen zur Phillipskurve und ich hoffe ich konnte euch die Materie näher bringen.

Nunja, stellt sich für mich dann die Frage ob eine “kontraktive Geldpolitik” wirklich etwas auslösen kann. Schaue ich auf die heutige Situation wo die Zinsen auf knapp Null sind…soviel zum monetaritischen Konzept
on Dezember 30th, 2009 at 18:33