VWL und die Mathematik

Ich habe in der letzten Zeit mehrere Kommentare auf meinem alten Blog bekommen, dass ich die hier vorgestellten Modelle sehr gut erklären würde und dass manche Professoren dies nicht so hinbekommen. Zuerst bedanke ich mich natürlich für den vielen Zuspruch.
Woran liegt das also, dass meine Ausführungen den Lesern gefallen?

In erster Linie würde ich sagen, dass es daran liegt, dass ich mir die Modelle aus einem Buch wieder beibringe (ich hatte sie ja bereits gelernt) und sie dann so niederschreibe, wie ich es verstanden habe. Ich glaube ein weiterer Grund ist, dass ich in meinen Artikeln die Mathematik auf ein Minimum reduziere.

Die Mathematik ist jedoch eine Sache, ohne die die VWL nicht immer auskommen. Ich gehöre leider auch zu den Menschen, die mit der Mathematik auf Kriegsfuss steht. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich nach dem Abitur zu meinen Mathelehrer sagte, dass ich das meiste, was er mir beigebracht hat, eh nie wieder benötigen würde. Drei Monate später wurde ich eines besseren belehrt, als mir die Universität einen Brief schickte, indem sie mich aufforderte, zwei Wochen vor Semesterbeginn zum Analysis Vorkurs zu erscheinen. Ich kann also allen angehenden VWL, aber auch BWL, Studenten nur raten im Matheunterricht doch ein wenig besser aufzupassen.

Leider vergrault die Mathematik viele Studenten aus diesem sehr interessanten Studienfach. Als ich mein Studium angefangen habe, waren wir im Jahrgang fast 400 Studenten. Nach dem ersten Semester waren wir nur noch 200 und hiervon zogen nur noch 100 in das Hauptstudium ein. Und letztendlich machen jährlich an meiner Alma Mater nur 30 bis 50 Studenten ihren Abschluss. Es gibt natürlich mehrere Gründe warum viele dieses Studium abbrechen oder zu einem anderen Studienfach wechseln, doch ich schätze mal, dass die Mathematik der Hauptgrund hierfür ist.

Schuld daran haben aber auch die Professoren, zumindest einige davon. An meiner alten Universität hatten wir zwei Professoren, die sehr viel Wert auf die Mathematik legten. Der eine, er unterrichtete Mirkroökonomie, ratterte seinen Stoff runter. Modell und Mathematik. Gestoppt wurde nicht, denn die Mathematik war ja aus der Schule bekannt. Und für ihn gehörte sie halt zur VWL.
Der andere Professor, er unterrichtete Makroökonomie, setzte die Mathematik anders ein. Er erklärte uns die Modelle durch die Mathematik. Er erklärte die Gleichungen und spielte mit ihnen. Er änderte hier mal etwas, dann dort und zeigte uns wie das Modell darauf reagiert. Dies war auf jeden Fall für mich die bessere Methode zu studieren.

Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 4)

In meinem letzten Posts (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) habe ich erklärt, wieso unser Altbundeskanzler Schmidt bei seiner Aussage „Lieber 5 Prozent Inflation, als 5 Prozent Arbeitslosigkeit“ falsch lag. Ich habe gezeigt, dass die Phillipskurve kein Menü ist, aus dem die Wirtschaftspolitiker sich eine für sie passende Kombination aus Arbeitslosigkeit und Inflation auswählen können. Die langfristige Phillipskurve ist vertikal und langfristig wird die Arbeitslosigkeit immer bei der natürlichen Arbeitslosenquote liegen.

Was nun noch zu meinen Ausführungen fehlt ist, was denn passiert, wenn der Karren nun in den Mist gefahren wurde. Wie kann sich eine Volkswirtschaft aus einer Situation mit hoher Inflation wieder davon befreien?

Also sehen wir doch mal nach, wo wir stehen. Die Volkswirtschaft hat die Geldpressen angeworfen und dadurch kurzfristig die Arbeitslosenquote gesenkt. Langfristig liegt die Arbeitslosenquote aber wieder bei der NAIRU mit einer erhöhten Inflation. Wie senkt man also die Inflationsrate und vor allen Dingen was kostet es. Bevor wir dies jedoch klären, schauen wir doch mal nach, wo es in der Geschichte eine ähnliche Situation gab.

Das Beispiel finden wir in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1979. Ein Land, das zur damaligen Zeit zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts unter einem Ölpreisschock zu leiden hatte. Die Inflation war sehr hoch und die US amerikanische Zentralbank entschied diese unannehmbaren zu senken.

Zur Senkung der Inflationsrate ist eine kontraktive Geldpolitik notwendig. Das nachfolgende Diagramm verdeutlicht was hierbei passiert. Wenn die Zentralbank das Geldmengenwachstum dämpft wird dadurch die aggregierte Nachfrage gebremst. Dies führt zu einem sinken des Produktionsniveaus und letztendlich zu einem Sinken der Beschäftigung.

diagramm

Die Volkswirtschaft befindet sich also zuerst im Punkt A und bewegt sich durch die kontraktive Geldpolitik entlang der kurzfristigen Phillipskurve zu Punkt B. Die Volkswirtschaft erkauft sich also eine niedrigere Inflationsrate durch eine höhere Arbeitslosenquote. Im Laufe der Zeit gewinnt die Bevölkerung jedoch die Überzeugung, dass die Preise langsamer steigen werden und ihre Erwartungen passen sich an. Die erwartete Inflationsrate geht also zurück und dadurch verlagert sich die kurzfristige Phillipskurve wieder zum Ursprung hin. Die Volkswirtschaft bewegt sich also von Punkt B zum Punkt C und liegt nun wieder mit einer niedrigeren Inflation bei der NAIRU.

Eine gewisse Zeit muss die Volkswirtschaft also mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit und einer gedämpften Produktion durchstehen, um die Inflation nachhaltig zu senken. Die Kosten der Inflationssenkung sind hierbei abhängig von der Steigung der Phillipskurve und dem Anpassungszeitraum der Inflationserwartungen.

Kommen wir nun zum so genannten Opferquotienten. Der Opferquotient wird errechnet, indem man die periodengleichen erlittene Einbuße an Produktionsniveau durch die erzielte Senkung der Inflationsrate dividiert. Der Quotient gibt damit die Anzahl der Prozentpunkte an Produktionsrückgang je Prozentpunkt erreichter Absenkung des Inflationsniveaus an. Zahlreiche Studien geben als mittleren Wert für den Opferquotient den Wert 5 an. Das heißt, dass für eine Senkung der Inflationsrate um einen Prozentpunkt – in der Zeit des Übergangs – 5 Prozent des Produktionsniveaus „geopfert“ werden muss.

Hieran kann man sehen, wie „teuer“ es sein kann die Inflationsrate nach einer expansiven Geldpolitik wieder zu senken. Kommen wir wieder zu unserem USA Beispiel zurück. Die USA hatte damals eine Inflationsrate von 10% und man beabsichtigte eine Senkung von 6% auf 4%. Also musste man hierfür einen 30 prozentigen Rückgang der Produktion in Kauf nehmen.

Der drastische Produktionsrückgang lässt sich jedoch vermeiden, indem man den Produktionsrückgang über mehrere Jahre verteilt. Wenn also die Inflationssenkung innerhalb von 5 Jahren erfolgt dann wurde die gesamtwirtschaftliche Produktion durchschnittlich nur um 6% pro Jahr zurückgehen. Bei einer noch moderateren Desinflationspolitik über einen Zeitraum von 10 Jahren würde der gesamtwirtschaftliche Output nur 3% unter dem Trend liegen.

So, dies schließt nun meine Ausführungen zur Phillipskurve und ich hoffe ich konnte euch die Materie näher bringen.

Wieder Online

Hallo liebe Leute,

der Grund warum ich lange nicht mehr geschrieben habe ist, dass ich seit längerer Zeit an einem neuen Blog Design gearbeitet habe. Leider bot mir blog.de nicht die künstlerische Freiheit und so habe ich mich entschlossen den Blog „auszulagern“. Ich hoffe euch gefällt das neue Design.

Beste Grüße

Max

Der Homo Oeconomicus und die Europawahl

In den letzten Tagen habe ich mir die Europawahl vom letzten Sonntag durch den Kopf gehen lassen. Was ich wirklich erbärmlich fand, war die geringe Wahlbeteiligung. Was für ein geringes Politikinteresse in Deutschland vorherrscht. Viele werden sich wohl gesagt haben, dass diese Wahl unwichtig ist, doch sollte man nicht außer Acht lassen, dass mittlerweile mehr Entscheidungen in der Europäischen Union getroffen werden, als in den nationalen Parlamenten.

Na ja, die Wahl bringt mich dazu einen weiteren Begriff aus der Volkswirtschaft zu erklären. Den Homo Oeconomicus. Der Homo Oeconomicus ist keine Evolution des Homo Sapiens, sondern bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen (fiktiven) Akteur, der eigeninteressiert ist, rational handelt, seinen eigenen Nutzen maximiert, feststehende Präferenzen hat und über vollständige Informationen verfügt. Dieser Homo Oeconomicus wurde in der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie dazu benutzt gesellschaftliche Makrophänomene und nicht individuelles Verhalten zu erklären.

Die Europawahl

Wie komme ich jedoch von der Europawahl zum Homo Oeconomicus? Eine Entscheidung des Homo Oeconomicus ist zum Beispiel, dass er bei großen Wahlen, wie zum Beispiel der Bundestagswahl oder der Europawahl, nicht wählen geht. Wieso macht er dies? Wegen der Beschränkung, dass er nur rational handelt. Da er weiß, dass sehr viele Menschen wählen gehen, weiß er, dass seine Stimme so gut wie keinen Einfluss auf das Ergebnis hat, deswegen lässt er es bleiben.

Homo Oeconomicus

Vielleicht haben am letzten Wochenende viele Bürger wie der Homo Oeconomicus gedacht, aber ich denke, dass die Menschen viel eher politikverdrossen sind oder sich einfach nicht dafür interessieren. Einige werden jetzt sagen, dass sie nicht wissen, wen sie wählen sollen, doch das lasse ich nicht zählen. Wenn dies der Fall ist, dann gibt man im Wahllokal halt einen ungültigen Wahlschein ab. Leider haben nicht viele Bürger diese Auffassung aber dies ist leider auch eine Wahl, die sie treffen können. Das finde ich sehr schade, denn in der Vergangenheit sind viele Menschen dafür gestorben, dass wir heute das Recht haben zu wählen. Die Wahl heißt nicht umsonst die Bürgerpflicht.

Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 3)

Und hier kommt nun der lang ersehnte 3. Teil meiner Ausführungen zur Phillipskurve. Die anderen Teile findet man hier:

Die Phillipskurve (Teil 1)
Die Phillipskurve (Teil 2)

Wo waren wir also stehen gebliebnen. Anscheinend das Friedman und Phelps 1968 die Aussage machten, dass die langfristige Phillipskurve vertikal ist und somit die Inflation keinen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit hat. Dies war jedoch für die damalige Zeit nicht sehr überzeugend. Die Aussagen von Friedman und Phelps basierte auf der Theorie. Im Gegensatz dazu basierte die negative Korrelation zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit auf Daten. Warum sollten die Wirtschaftspolitiker also mit einer senkrechten Phillipskurve rechnen, wenn die Daten etwas ganz anderes aussagen?

Friedman und Phelps waren sich dieses Widerspruchs bewusst und so machten sie sich daran einen Weg zu finden die klassische makroökonomische Theorie mit den empirischen Befunden in Einklang zu bringen. Mal sehen, wie ich das erklären kann ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Friedmann und Phelps behaupteten, dass der negative Zusammenhang kurzfristig haltbar ist, aber auf keinen Fall langfristig gültig ist. Anders ausgedrückt können Wirtschaftspolitiker für eine gewisse Zeit durch eine expansive Geldpolitik zu einer niedrigeren Arbeitslosigkeit kommen, doch schließlich wird die Arbeitslosigkeit wieder zur natürlichen Arbeitslosenquote zurückkehren. Von der expansiven Geldpolitik bleibt dann nur höhere Inflation übrig.

Um den Unterschied zwischen kurzfristigen und langfristigen Zusammenhängen der Arbeitslosenquote und der Inflationsrate besser zu vermitteln, haben Friedman und Phelps eine neue Variable in die Analyse eingeführt. Diese Variable war die Inflationserwatung oder die erwartete Inflation. Diese Variable drückt aus, wie viel Preissteigerung die Bevölkerung erwartet. Auf kurze Sicht kann jede Zentralbank die erwartete Inflationsrate als gegeben an. Auf kurze Sicht führen deshalb Änderungen der Geldmenge zu unerwarteten Fluktuationen der Produktion, der Preise, der Arbeitslosigkeit und der Inflation. Die Möglichkeit, mit einer Erhöhung der Geldmenge eine unerwartete Inflation auszulösen, besteht aber nur kurzfristig. Auf lange Sicht werden sich die Leute jene Inflationsrate zu Eigen machen.

Die Überlegungen von Friedman und Phelps lassen sich in folgender Gleichung zusammenfassen.

Arbeitslosenquote = natürliche Arbeitslosenquote – a (tatsächliche Inflationsrate – erwartete Inflationsrate)

Für die kurzfristige Analyse ist die erwartete Inflationsrate empirisch vorgegeben und deshalb führt eine höhere Inflation zu einer niedrigeren Arbeitslosenquote. Der Parameter a gibt an, wie stark die Arbeitslosenquote auf eine unerwartete Änderung der Inflationsrate reagiert. Schauen wir uns das ganze doch noch einmal in einer Grafik an:

Die kurzfristige Phillipskurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Zu Beginn unserer Betrachtung befindet sich die Volkswirtschaft in Punkt A auf der natürlichen Arbeitslosenquote mit einer niedrigen Inflationsrate. Durch expansive Geldpolitik wird nun die Inflationsrate erhöht und die Volkswirtschaft wandert auf der kurzfristigen Phillipskurve zu Punkt B mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einer erhöhten Inflationsrate. Die Situation wird jedoch nicht so bleiben, denn mit der Zeit gewöhnt sich die Bevölkerung an die höhere Inflationsrate und passt ihre erwartete Inflationsrate langsam an. Dies führt dazu, dass die Volkswirtschaft von Punkt B zu Punkt C und damit zurück auf die langfristige Phillipskurve wandert. Die Arbeitslosigkeit ist wieder auf dem Niveau der natürlichen Arbeitslosenquote, jedoch ist die Inflation ist bei weitem höher.

Dies war dann wohl das Aus für die „Speisekarte“ der Wirtschaftspolitiker und irgendwie drängt sich einem da der Spruch „Außer Spesen nichts gewesen“ auf. Nun stellt sich die Frage, was es denn kostet die Inflation wieder zu senken. Dies werde ich im nächsten und letzten Teil über die Phillipskurve erörtern.

Begriff: natürliche Arbeitslosenquote

Bevor ich mit meinen Ausführungen zur Phillipskurve fortfahre muss ich vorher noch den Begriff der natürlichen Arbeitslosigkeit erklären, den Friedman und Phelps geprägt haben. Dieser Begriff ist leider nicht gut gewählt, denn sicherlich stoßen sich welche an diesen Begriff. Was ist an Arbeitslosigkeit natürlich? Legt diese Bezeichnung etwa nahe, dass dieses Niveau der Arbeitslosigkeit wünschenswert oder unvermeidlich ist?

Schauen wir uns doch noch einmal an in welchen Kontext Friedman und Phelps diesen Begriff benutzen. Laut ihnen ist die natürliche Arbeitslosenquote diejenige, zu der die Volkswirtschaft langfristig neigt. Ob diese Quote die gesellschaftspolitisch wünschenswerte Quote ist, bleibt eine andere Frage.

Das Gute ist, dass die natürliche Arbeitslosenquote keine Konstante ist. Sie kann sich über die Zeit verändern. Was sind also die Faktoren, die dieses natürliche Arbeitslosenniveau beeinflussen? Nehmen wir zum Beispiel an, dass eine Gewerkschaft gegründet wird, die sich für die Arbeitskräfte in einem neuen Berufsfeld einsetzen und dabei von ihrer Marktmacht gebrauch macht. Hierdurch wird für einen Teil der Beschäftigten der Reallohnsatz über das Gleichgewichtsniveau erhöht. Es kommt also zu einem Überangebot an Arbeitskräften und dadurch zu einer höheren natürlichen Arbeitslosenquote.

Man sieht also, dass die natürliche Arbeitslosenquote nicht natürlich heißt, weil sie gut wäre, sondern weil sie außerhalb des Einflusses der Geldpolitik liegt.

Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 2)

Wie versprochen folgt nun der zweite Teil zur Phillips Kurve. Sorry noch mal, dass es so lange gedauert hat. Für alle, die den ersten Teil noch nicht gelesen haben, finden diesen hier:

Die Phillips Kurve: (Teil 1)

Wo waren wir also stehen geblieben?

Anfang der 60er Jahre war man der Meinung, dass die Phillipskurve eine Art Speisekarte darstellt, durch die Wirtschaftspolitiker mit geldpolitischen Maßnahmen Einfluss auf die Arbeitslosenquote nehmen können. Dem Widersprach 1968 ein anderer bekannter Volkswirt Milton Friedman in seinem Aufsatz im American Economic Review mit dem Titel „The Role of Monetary Policy“. Sein Aufsatz enthielt die beiden Abschnitte: „What Monetary Policy can do“ und „What Monetary Policy cannot do“. Eine Sache, die nach Friedman Überzeugung, die Geldpolitik nicht leisten kann, ist die Auswahl einer Bestimmten Kombination von Inflation und Arbeitslosigkeit auf der Phillipskurve. Zu der gleichen Einsicht kam im Selben Jahr auch ein anderer Nationalökonom, Edmund Phelps.

Milton Friedman

Schauen wir uns doch einmal an, wie Friedman und Phelps argumentierten. Sie betrachteten die ganze Sache aus der Sicht der klassischen Makroökonomik. Aus der Sicht der klassischen Nationalökonomik wird das Geldmengenwachstum als primäre Inflationsquelle betrachtet. Aus der Sicht der klassischen Makroökonomik hat das Geldmengenwachstum keine realwirtschaftlichen Effekte, denn es verändert nur die Preise und die Nominaleinkommen proportional. Auf keinen Fall verändert das Geldmengenwachstum die Faktoren, von denen die Arbeitslosigkeit abhängt, wie zum Beispiel die Macht der Gewerkschaften, Effizienzlöhne oder Suchprozesse. Weder Friedman noch Phelps konnten einen langfristigen Zusammenhang für einen langfristige Verknüpfung der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote erkennen. Für alle, die gerne das Original lesen habe ich hier Friedmans Originalausführungen:

Edmund Phelps

“The monetary authority controls nominal quantities – directly, the quantity of its own liabilities [currency plus bank reserves]. In principle, it can use this control to peg a nominal quantity – an exchange rate, the price level, the nominal level of national income, the quantity of money by one definition or another – or to peg the change in a nominal quantity – the rate of inflation or deflation, the rate of growth or decline in nominal national income, the rate of growth of the quantity of money. It cannot use its control over nominal quantities to peg a real quantity – the real rate of interest, the rate of unemployment, the level of real national income, the real quantity of money, the rate of growth of real national income, or the rate of growth of the real quantity of money.”

Die langfristige Phillipskurve

Die langfristige Phillipskurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Was sagt nun diese Sichtweise für unsere Wirtschaftspolitiker aus, die in den 60er Jahren die Geldpressen auf Volllast laufen ließen? Anstatt einer schönen Speisekarte, aus der sie je nach Gusto wählen konnten, sahen sie sich nun einer langfristig senkrechten Phillipskurve gegenüber, die im oben stehenden Schaubild illustriert ist. Falls die die Geldmenge langsam ausgedehnt wird, ist die Inflationsrate niedrig und die Volkswirtschaft befindet sich im Punkt A. Bei einer raschen Ausdehnung der Geldmenge ist die Inflationsrate höher und die Inflationsrate gelangt zu Punkt B. In beiden Fällen tendiert die Arbeitslosenquote zu ihrem Nominal hin, zu der so genannten natürliche Arbeitslosenquote. Was diese „natürliche Arbeitslosenquote“ ist, werde ich im nächsten Teil der Serie erklären.

So, nun wurde diese schöne „Speisekarte“ zerstört. Ende der 60er Jahre hatte man die Inflation hoch getrieben, aber keinen Einfluss auf die Arbeitslosenquote genommen. Es stellt sich aber die Frage, warum die Daten, die Phillips gesammelt hatte so einen Zusammenhang nahe legten. Wieso funktionierte dieser Zusammenhang so viele Jahre und jetzt auf einmal nicht mehr? Wie immer im Leben ist es so, dass es funktioniert, so lange man nicht daran herumfummelt. Dazu werde ich jedoch mehr im nächsten Post schreiben. Ich verspreche, dass dieser schneller folgt.

Die Phillips Kurve: Oder warum „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ doch nicht funktioniert. (Teil 1)

In der heutigen Zeit, in der die Regierungen der Welt die Märkte mit Kapital fluten, lohnt es sich mal einen kleinen Blick auf die Phillips Kurve zu werfen. Jeder hat sicherlich schon mal von ihr gehört, doch wissen die wenigsten, was diese überhaupt aussagt. Viele kennen sicherlich auch den berühmten Satz unsers Altbundeskanzlers Helmut Schmidt: „Lieber 5 Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ Warum er mit dieser Aussage falsch lag und wie er überhaupt auf diese Idee kam, wollen wir uns im folgendem mal genauer anschauen.

Was ist nun die berühmte Phillips Kurve. 1958 veröffentlichte der neuseeländische – britische Nationalökonom Alban Wiliam Housego Philips in der britischen Fachzeitschrift Economia einen Aufsatz, der ihn berühmt machen sollte. Sein Artikel trug die Überschrift: „The Relationship between Unemployment and the Rate of Change of Money Wages in the United Kingdom, 1861 – 1957“. In diesem Artikel wies Phillips auf eine negative Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflationsquote hin. In den von ihm untersuchten Zeitraum tendierten Jahre mit einer niedrigen Arbeitslosenquote zu einer hohen Inflationsrate und vis versa. Hieraus schloss Philips, das diese Beiden Variablen auf eine Art und Weise verknüpft sind, die von den Ökonomen zuvor nicht genügend beachtet wurde.

Phillips Kurve

Phillips Beobachtungen beruhten zwar nur auf statistischen Daten aus Großbritannien, doch andere Wissenschaftler dehnten die Untersuchung schnell auf andere Länder aus. Zwei Jahre nach Phillips Aufsatz veröffentlichten die beiden amerikanischen Nationalökonomen Paul Samuelson und Robert Solow im American Economic Review mit dem Titel „Analytics of Anti-Inflation Policy“, in dem sie eine ähnliche Korrelation zwischen Arbeitslosen- und Inflationsquote in den Vereinigten Staaten von Amerika nachweisen konnten. Es waren Samuelson und Solow, die dieser negativen Verknüpfung den Namen Phillips Kurve gaben.

Phillips Kurve

Quelle: Mankiw/Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Der Grund, warum Samuelson und Solow an der Phillips Kurve interessiert waren, war, dass sie glaubten die Phillips Kurve enthalte bedeutsame Aussagen für die praktische Wirtschaftspolitik. Sie waren der Meinung, dass die Phillips Kurve den Wirtschaftspolitikern eine Art „Speisekarte“ bietet mit dieser sie je nach Wunsch die entsprechende Konstellation wählen können. Wie man an der Grafik erkennen kann könnte man durch geld- und fiskalpolitische Maßnahme vom Punkt A mit niedriger Inflation und hoher Arbeitslosigkeit zu Punkt B mit niedriger Arbeitslosigkeit und hoher Inflation kommen. Die Wirtschaftspolitiker würden zwar eine Situation bevorzugen, bei der beide Variablen niedrig sind, doch diese Kombination ist hier unerreichbar.

Warum diese Idee mit der „Speisekarte“ doch nicht funktionierte werde ich in den nächsten Tagen bearbeiten.

Hier gehts zum 2. Teil

David Ricardo und der Komparative Vorteil

Heute wollen wir uns doch einmal an unser erstes Modell heranwagen. Wir Volkswirte lieben Modelle und so versuchen wir alles in Gleichungen zu stecken und uns so die Welt zu erklären. Wer mit der Mathematik auf dem Kriegsfuß steht, dem sei gesagt, dass ich leider nach einem Jahr mehr über Mathematik vergessen habe, als ich je gelernt habe. Da dies ein sehr einfaches Modell ist und ich nicht so stark in die Tiefe gehen werde, hoffe ich, dass es jeder versteht.

Kommen wir nun zum Modell von David Ricardo. Haben sie sich nicht auch mal gefragt, warum es überhaupt Handel gibt? Warum führt zum Beispiel Deutschland Handel mit Bangladesh? Deutschland ist technisch um Längen weiterentwickelt als Bangladesh. Die Fabriken in Deutschland arbeiten produktiver und durch moderne Landwirtschaft hat Deutschland auch hier die Nase vorn. Wieso sollte Deutschland also Handel mit Bangladesh führen?

David Ricardo

Die meisten würden sagen: Wegen den Lohnkosten. Hiermit liegt man leider nicht richtig. In diesem Beispiel habe ich mit Bedacht Bangladesh als Handelspartner gewählt. Bangladesh besitzt tatsächlich einen absoluten Kostenvorteil bei den Lohnkosten, doch ist es technisch nicht sehr weit entwickelt (Ich hoffe ich trete hier Niemanden aus Bangladesh auf den Schlips). So müsste Deutschland alles billiger produzieren können als Bangladesh. Und so stellt sich wieder die Frage, warum eine Industrienation mit einem 3. Welt Land Handel führt.

Eine Antwort hierfür bietet uns David Ricardo (1772 – 1823), einer der Hauptvertreter der klassischen Nationalökonomie. In seinem Hauptwerk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ (1817) zeigt er uns, dass es nicht nur zu Handel kommt, wenn ein Land einen absoluten Kostenvorteil hat, sondern auch dann, wenn ein Land einen komparativen Vorteil besitzt. Was dieser komparative Vorteil ist, schauen wir uns nun anhand des „Ricardo Modells“ an.

Für das Modell müssen wir ein paar Einschränkungen machen. Unsere erste Annahme ist, dass in unserem kleinen Modell nur 2 Güter gehandelt werden. Wem das zu abstrakt ist, der kann sich das so vorstellen, dass das erste Gut z.B. Autos sind und in dem zweiten Gut alle anderen Güter der Volkswirtschaft zusammengefasst sind. So hat es mir mein erster Mikroökonomie Professor versucht nahe zu bringen. Die zweite Einschränkung ist, dass es in diesem Modell nur 2 Länder gibt (z.B. das Inland und unter Ausland alle anderen Länder der Welt zusammengefasst). Die beiden Güter werden allein durch menschliche Arbeit hergestellt und man benötigt keine anderen Produktionsfaktoren. Außerdem benötigen wir für das Modell Freihandel, der nicht durch Zölle oder andere Handelshemmnisse gestört wird. Es gibt noch weitere Einschränkungen, da wir aber nicht so stark in die Tiefe gehen, können wir diese hier mal weglassen.

Ricardo hat in seinem Originalmodell die beiden Länder England und Portugal benutzt. Die beiden gehandelten Güter waren Tuch und Wein (Ja, es gibt Wein in England). Nehmen wir nun mal an, dass England innerhalb eines Jahres eine gewisse Menge Tuch herstellt und hiefür 100 Arbeiter einsetzen muss. Portugal braucht für dieselbe Menge jedoch nur 90 Arbeiter. Für die Produktion einer gewissen Menge Wein innerhalb eines Jahres braucht England 120 Arbeiter. Portugal hingegen braucht hierfür nur 80 Arbeiter.

Man sieht also, dass Portugal bei beiden Gütern einen absoluten Vorteil besitzt. Es kann beide Güter günstiger herstellen als England. Dennoch lohnt es sich für Portugal englisches Tuch gegen Wein zu importieren, denn der Vorteil bei der Weinproduktion ist für Portugal im Vergleich zu England größer als bei der Tuchproduktion. So kann Portugal die gleiche Menge Wein wie England mit 40 Arbeitern weniger produzieren, während es die gleiche Menge Tuch wie England nur mit 10 Arbeitern weniger produzieren kann. Oder anders ausgedrückt: Portugal muss für die Erhöhung der produzierten Menge Wein auf weniger Arbeiter aus der Tuchproduktion zurückgreifen als England das im gleichen Fall müsste.

Die Portugiesen sind also im Vergleich zu den Engländern bei der Weinerzeugung noch deutlich produktiver als bei der Tuchherstellung – deshalb besitzt Portugal einen komparativen Kostenvorteil bei der Produktion von Wein. Für das Land lohnt es sich daher, sich auf die Weinerzeugung zu konzentrieren und das Tuch nicht mehr selbst zu weben, sondern im Handel mit England gegen Wein einzutauschen. Spiegelbildlich haben die Engländer einen komparativen Kostenvorteil bei Tuchen. Ihr Arbeitseinsatz, das für den Tausch benötigte Tuch herzustellen, ist geringer als beim Anbau eigenen Weins. Die eingesparten Arbeitskräfte kann England dann profitabler in anderen Industriezweigen einsetzen.

David Ricardos zog hieraus das Fazit, dass wenn sich jedes Land auf das Produkt konzentriert, das es, relativ gesehen, billiger produzieren kann, wächst in beiden Ländern der Wohlstand.

So, ich hoffe ich konnte euch dieses erste einfache Modell nahe bringen.

Zur Abwechslung ein Zitat

Jede kurze Aussage über die Volkswirtschaft
ist irreführend (abgesehen vielleicht von dieser)!

Alfred Marshall